Eine Auszeit für Körper und Seele – meine Panca Karma Kur in Südindien

Im Herbst habe ich sehr stark gespürt, dass ich eine Auszeit brauche. Lange habe ich mir vorgenommen, wieder einmal eine Ayurvedakur für mich zu machen. Als Ayurveda-Therapeutin gibt man viel, vergisst dabei aber manchmal, auf sich selbst so zu achten, wie man es den Klientinnen EMPFIEHLT. Also kam der Moment: Sehr spontan habe ich zwei Wochen in einem kleinen, mir unbekannten Resort in Südindien gebucht.

Kerala ist mir vertraut – meine erste Indienreise führte mich nach Kerala und hat mein Leben nachhaltig verändert. Das Land der Kokospalmen, die hier überall in Hülle und Fülle wachsen, strahlt eine besondere Ruhe aus. Nach einer langen und anstrengenden Reise – mein letzter Flug war 2019, und seitdem hat sich meine Lust auf Flugreisen deutlich reduziert – kam ich spät abends im Kadaltheram Resort in Varkala an.

Vom ersten Moment an habe ich mich wohl und gut aufgehoben gefühlt. Die Herzlichkeit des Managers Sujinu, der gepflegte Garten und das Rauschen des Meeres gaben mir sofort ein Gefühl des Ankommens. Die Anlage liegt direkt am Strand auf einer kleinen Anhöhe. Man wandert durch den Garten und plötzlich – da ist das Meer mit seinen kräftigen Wellen. Die kleine Bucht ist kaum von Menschen besucht, an manchen Tagen las ich ein Buch, während der Strand ganz für mich allein war.

Die Massagen waren wohltuend, zeitweise auch anstrengend. Bei manchen Behandlungen, wie dem Körperguss, liegt man auf einem Holztisch, während zuerst eine Ganzkörpermassage erfolgt und anschließend fast heißes Kräuterwasser gleichmäßig über den Körper gegossen wird. Das Liegen am Holztisch ist nicht immer angenehm, aber die Belohnung ist das unglaubliche, wohlig warme Gefühl, das sich danach ausbreitet. Mein Ayurveda-Arzt Dr. Mannas sagte einmal während einer Konsultation: „Bei allen Anwendungen nehmen wir etwas und gleichzeitig geben wir etwas. Die kräftigen Massagen nehmen überschüssiges Gewebe (man nimmt etwas) und gleichzeitig nähren sie (man gibt etwas).“ Dieser Satz hat mich durch die gesamte Auszeit begleitet.

Indien bietet alles – das Schöne und das Hässliche liegen nah beieinander. Eine Natur, die den Mund vor Staunen offen lässt, Menschen, die offen, warmherzig und hilfsbereit sind, beeindruckende Tempel mit kraftvoller Energie – und gleichzeitig überall sichtbarer Müll. Aber so ist das Leben: mal oben, mal unten, mal schön, mal hässlich, mal freudvoll, mal traurig. Indien zeigt einem all das zur gleichen Zeit. Es fasziniert mich immer wieder.

Erst nach einer Woche habe ich das Resort überhaupt verlassen – ich war einfach müde, und der angenehme Rhythmus des Kurlebens tat mir gut. Früh aufstehen um 6:30 Uhr, Yoga, Massageeinheit, Frühstück, ausruhen, wieder Massage, am Strand spazieren gehen, lesen und wieder ausruhen – dieser Rhythmus hat mir geholfen, Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen.

Meine beiden super lieben und sehr talentierten Therapeutinnen hatten sichtlich Spaß daran, meine Haare nach jeder Massage zu einer Blumenpracht zu verwandeln. Ich glaube, noch nie in meinem Leben hatte ich solche kunstvollen Friseuren und das sogar mit Ölkopf (siehe Foto) . Das letzte Fotos zeigt mich übrigens nach dem 5. Shirodhara. Alle die diese Behandlung schon mal hatten, wissen was ich meine. Körper und Geist komplett “durchgespült” 😁.

Nach zwei Wochen Panca Karma Kur war ich sichtlich erholt und bei Kräften. Ich gebe zu, ich hätte auch drei Wochen ausgehalten – für das nächste Mal nehme ich mir vor, dies zu tun. Das Resort ist klein und übersichtlich, mit netten Gästen, mit denen man plaudern kann, aber nicht muss. Die Zimmer sind einfach, aber alles ist da, was man braucht. Der Garten tut der Seele gut, und die Mitarbeiter – Therapeut:innen, Ärzte, Restaurantpersonal, Housekeeping und Management – waren sehr herzlich, fast freundschaftlich. Man merkt, dass es ihnen Freude bereitet, zu arbeiten und aufeinander zu achten.

Ich blieb insgesamt noch 1 Woche länger, um noch ein paar Tage Tempel zu besuchen und etwas zu shoppen. Drei Wochen sind für Indien eigentlich ein Minimum: Die lange Reise, die Klimaveränderung, der Körper braucht Zeit, um sich anzupassen und der Geist noch länger, um anzukommen und vor allem loszulassen.

Die Rückkehr in den winterlichen Alltag war spürbar: Flug, Zeitverschiebung und bei der Rückkehr wieder das kalte Winterwetter, nehmen ein Stück von den neu gewonnen Kräften. Dennoch war es eine wunderbare Erfahrung und Reise, die ich nun wieder regelmässig plane. Diese Auszeit hat mir geholfen wieder leichter zu werden. Auf der Waage und mental. Vor allem aber meinen eigenen Tempel (meinem Körper) zu helfen gesund zu bleiben und sich bis auf Zellebene zu regenerieren. Denn das ist es, was Panca Karma macht. Und dem langen, nebeligen Winter für einige Wochen zu entfliehen war auch keine schlechte Idee.

Wenn Du ebenfalls vor hast nach Indien zu reisen und einen Tipp brauchst, melde dich gerne bei mir. Ich teile gerne meine Erfahrung.

Alles Liebe, Romana