Mein Weg zum Yoga – von „Powerstretching“ zur echten Praxis
Meine persönliche Yogareise begann ganz pragmatisch – 2001 in einem Fitnessstudio im 3. Bezirk in Wien. Die Stunde hieß damals nicht einmal Yoga, sondern Powerstretching. Denn Yoga war zu dieser Zeit noch… sagen wir: leicht „spooky“ angehaucht.
Und fast noch exotischer war die Tatsache, dass unsere Lehrerin Elke tatsächlich eine Ausbildung in Indien gemacht hatte. In Indien! Heute völlig normal – damals klang das eher nach Abenteuer als nach Ausbildung.
Wofür ich meiner ersten Lehrerin bis heute dankbar bin: Sie hat uns Yoga sehr klassisch vermittelt – und gleichzeitig unglaublich bodenständig. Keine Esoterik, kein Abheben. Sondern ein ruhiger, klarer Zugang, der sofort spürbar war. Genau das hat den Grundstein gelegt. Für meine eigene Praxis. Für meine Neugier. Und für den Wunsch, tiefer einzutauchen – in all die Facetten, die Yoga zu bieten hat.
Viele Jahre, viele Ausbildungen und unzählige Stunden auf der Matte später darf ich heute etwas weitergeben, das mir selbst so viel gegeben hat: Ich begleite Fastenwochen im Kloster Pernegg – in Kombination mit Yoga. Und genau darüber möchte ich heute sprechen.
Besuch beim “lächelnden Buddha” in Thiruvananthapuram, Indien während meiner letzten Yoga und Ayurveda Reise 2026.
Fasten – mehr als nur „nichts essen“
Fasten ist kein Verzicht. Es ist ein Prozess der Raum schafft. Ein sehr intelligenter und manchmal auch herausfordernder Prozess der auf körperlicher, mentaler und emotionaler Ebene wirkt.
Wenn wir beginnen zu fasten, passiert im Körper unglaublich viel:
der Stoffwechsel stellt sich um
der Körper beginnt, Energiereserven zu nutzen
zelluläre Reinigungsprozesse wie Autophagie werden aktiviert
Entgiftungsorgane wie Leber, Darm und Nieren arbeiten intensiver
Das klingt alles wunderbar – und das ist es auch. Aber: Der Weg dorthin ist nicht immer nur leicht. Gerade zu Beginn wirkt Fasten wie ein kleiner Stressreiz auf den Körper. Das Nervensystem schaltet kurzfristig in den Sympathikus-Modus – also in Aktivität, Wachheit, manchmal auch Unruhe.
Typische Erfahrungen in den ersten Tagen können sein:
innere Nervosität
Schlafveränderungen
erhöhte Sensibilität
Kopfschmerzen
Das ist kein Fehler im System. Das ist Teil des Prozesses.
Atmung – dein direkter Zugang zum Nervensystem
Genau hier kommt Yoga ins Spiel – nicht als Zusatzprogramm, sondern als wichtige Unterstützung.
Die Nadi Shodana, auch Wechselatmung genannt, wirkt harmonisierend und ausgleichend auf das Nervensystem und fördert innere Ruhe und Balance.
Die Atmung ist eines der wenigen Systeme im Körper, das wir bewusst beeinflussen können. Mit langsamen, ruhigen Atemtechniken aus dem Yoga – dem sogenannten Pranayama – senden wir dem Körper ein klares Signal: Du bist sicher. Du kannst entspannen. Dadurch wird der Parasympathikus aktiviert – also jener Teil unseres Nervensystems, der für Regeneration, Verdauung und Heilung zuständig ist.
Studien zeigen, dass regelmäßige Atemübungen:
Stresshormone reduzieren können
die Herzfrequenzvariabilität verbessern
den Vagusnerv stimulieren und damit den parasympathischen Zustand fördern
Gerade während des Fastens ist diese Regulation besonders wertvoll. Sie hilft dem Körper, den Prozess ruhiger und stabiler zu durchlaufen.
Asanas – Unterstützung für Faszien, Muskeln und Organe
Asanas für die Stabilität und Balance.
Auch die körperlichen Übungen des Yoga haben während einer Fastenzeit eine besondere Wirkung. Natürlich stärken sie Muskeln und verbessern die Beweglichkeit. Doch ihre Wirkung geht deutlich tiefer. Viele Yogahaltungen arbeiten mit sanften Drehungen, Vorbeugen und Dehnungen entlang der Faszienketten. Dadurch wird die Durchblutung im Bauchraum verbessert und die inneren Organe werden sanft „massiert“. Besonders die Leber, eines unserer wichtigsten Entgiftungsorgane, profitiert davon. Gerade in einer Phase, in der der Körper aufräumt und Stoffwechselprozesse intensiviert sind, kann diese sanfte Aktivierung sehr unterstützend wirken.
Yoga hilft, den Fastenprozess bewusst zu erleben
Fasten bringt uns näher zu uns selbst. Manchmal näher, als uns im ersten Moment lieb ist. Wenn der gewohnte Rhythmus von Essen wegfällt, werden viele andere Dinge plötzlich deutlicher spürbar:
Emotionen, Gedanken, Bedürfnisse des Körpers
Yoga hilft, diesen Raum zu halten. Ohne Bewertung. Ohne Druck.
Übung: Gedanken und Emotionen Raum geben und in die Beobachtung geben.
Warum Yoga und Fasten so gut zusammenpassen
Für mich gehören diese beiden Dinge ganz selbstverständlich zusammen. Fasten reinigt den Körper. Yoga reguliert das Nervensystem. Fasten öffnet einen inneren Prozess. Yoga gibt Stabilität und Orientierung. Gemeinsam entsteht etwas sehr Wertvolles:
Klarheit - innere Ruhe - neue Energie - ein feineres Körpergefühl
Mein Fazit
Wenn wir fasten, ohne unser Nervensystem mitzunehmen, kann sich der Prozess manchmal anstrengend anfühlen. Wenn wir Yoga oder ähnliche Techniken integrieren – besonders Atemübungen und sanfte Körperkräftigung – entsteht ein bewusster, gut begleiteter Weg durch diese besondere Zeit. Und genau an diesem Punkt beginnt Fasten, seine tiefste Wirkung zu entfalten.

