Es gibt einen Traum, den wir schon lange mit uns herumtragen: irgendwann hoch oben in den Bergen zu unterrichten. Nicht irgendwo, sondern dort, wo die Luft dünn und glasklar wird, wo der Blick weit über Gipfel und Gletscher reicht – und der Kopf, wie von selbst, still wird.
Wir durften in den letzten Jahren viele wunderschöne Kurse und Retreats geben, die meisten davon in sanften, grünen Tälern. Aber ein Teil von uns hat sich immer nach mehr Höhe gesehnt: nach Fels, nach Gletschereis, nach glasklaren Wasserfällen und Bächen, nach jener besonderen Stille, die es nur oberhalb der Baumgrenze gibt. Genau dort, glauben wir, lässt sich das Wissen von Ayurveda und Yoga noch unmittelbarer spüren. Deshalb freuen wir uns riesig, dir heute einen ersten Einblick in unser Herzensprojekt für 2027 zu geben.
Der Berg als Lehrer
Dass Berge auf Menschen eine besondere Anziehungskraft ausüben, ist keine neue Erkenntnis. Seit Jahrtausenden ziehen sich Yogis in den Himalaya zurück, um dort – fernab von Lärm und Ablenkung – tief in sich zu gehen. Einer der eindrücklichsten wissenschaftlichen Belege dafür stammt von Herbert Benson, Kardiologe an der Harvard Medical School. Über zwei Jahrzehnte begleitete er tibetische Mönche, die die Meditationstechnik g-Tummo praktizieren – eine Form der „inneren Hitze", bei der allein durch gezielte Atmung Stoffwechsel und Körpertemperatur bewusst gesteuert werden. Benson dokumentierte, wie Mönche in eiskalten Räumen nasse, kalte Tücher auf ihren Schultern allein durch ihre Atmung trockneten, und wie manche von ihnen auf einem Felsvorsprung auf rund 4.500 Metern Höhe bei Minusgraden übernachteten, ohne zu frieren.
Was uns daran besonders fasziniert: Es ist der bewusste Atem, der diese außergewöhnlichen Fähigkeiten erst möglich macht. Genau dieses Wissen um die Kraft des Atems ist einer der Grundpfeiler von Yoga und Ayurveda – und in den Bergen, das zeigt die Tradition der Himalaya-Yogis eindrücklich, wird es auf besondere Weise erfahrbar.
Was Höhenluft und tiefes Atmen mit uns machen
Auch die moderne Wissenschaft bestätigt, was Yogis längst wussten: Bewusstes, tiefes Atmen entfaltet in größerer Höhe eine besonders starke Wirkung. Eine im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie untersuchte Bergsteiger:innen auf über 4.500 sowie auf über 5.400 Metern am Mount-Everest-Basislager und ließ sie 15 Minuten lang bewusst langsam atmen – rund sechs Atemzüge pro Minute. Das Ergebnis war deutlich: Die Sauerstoffsättigung im Blut stieg spürbar an (von rund 80 auf knapp 90 Prozent), während Blutdruck in Lunge und Kreislauf gleichzeitig sanken. Die Forscher:innen selbst sprachen von einer einfachen und wirkungsvollen Methode.
Man muss dafür natürlich nicht gleich auf einen Fünftausender steigen. Doch der Mechanismus zeigt eindrücklich: In klarer Höhenluft, mit weniger Reizen und mehr Weite um uns herum, beginnen wir ganz automatisch, bewusster und tiefer zu atmen – und genau das ist es, was Körper und Nervensystem so guttut.
Wenn der Kopf einfach nicht abschalten will
Wer im Berufsalltag steht, kennt dieses Gefühl: Der Kopf ist voll, der Atem flach, der Blick fix auf den Bildschirm gerichtet. Eine Studie mit Berufstätigen hat genau diesen Zusammenhang untersucht: Wer zweimal wöchentlich zwei Stunden bewusst Zeit in der Natur verbrachte, zeigte nach nur drei Wochen um 29 Prozent niedrigere Cortisolwerte im Speichel – ein zuverlässiger Stressmarker –, deutlich weniger Burnout-Symptome und eine messbar bessere Konzentrationsfähigkeit. Und das war „nur" ein Park in Arbeitsplatznähe.
Man kann sich vorstellen, wie viel intensiver dieser Effekt an einem Ort wie dem Hintertuxer Gletscher wirkt: umgeben von Gipfeln, ewigem Eis und jener besonderen Stille, in der das Gedankenkarussell endlich zur Ruhe kommt. Genau das ist für uns der Kern unserer Arbeit – Menschen, die im Alltag ständig unter Strom stehen, einen Ort und eine Praxis zu geben, an dem und mit der sie wirklich abschalten können.
Ausblick: Unser neues Retreat am Hintertuxer Gletscher
Aus genau dieser Überzeugung heraus entsteht gerade unser neues Herzensprojekt: ein Ayurveda- und Yoga-Retreat am Hintertuxer Gletscher, mitten in den Tiroler Alpen. Wir möchten dort einen Raum schaffen, in dem ayurvedische Ernährung, Yoga-Praxis und bewusste Atemarbeit auf die kraftvolle Energie der Berge treffen – für alle, die spüren, dass sie gerade mehr Höhe, mehr Weite und mehr Stille brauchen.
Mehr Details findest du hier und in den kommenden Monaten – wir halten dich hier im Newsletter auf dem Laufenden.
Bis dahin: Atme tief durch. Es tut mehr, als man denkt.
Quellen: Bordoni et al., „Effects of Slow Deep Breathing at High Altitude on Oxygen Saturation, Pulmonary and Systemic Hemodynamics", PLOS ONE (2012) · Studie zu naturbasierter Intervention am Arbeitsplatz, Cortisol und Burnout (2021) · Harvard Medical School, Forschung von Herbert Benson zu g-Tummo-Meditation bei tibetischen Mönchen (Harvard Gazette, 2002)

